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Gebet und Kontemplation, 3

Gottes- und Nächstenliebe bilden bei Klara eine tiefe Einheit. Ihr "ganz Ohr sein" gilt bei beiden, Gott und Mensch, in beiden feiert sie ständig Begegnung. Ihre tiefe Gotteserfahrung macht geradezu den Blick frei für die alltäglichen Begebenheiten, in denen ihr Gott in anderer Gestalt begegnet: in der konkret leidenden, traurigen. frierenden Schwester. Der Mensch, der wirklich zutiefst von Gottes Liebe getroffen und betroffen ist, ist kein "für sich" mehr, er ist immer auch schon ein Gesandter. Klaras Leben bleibt ausgestreckt zwischen diesen beiden Polen: Gott und Mensch, oben und unten. Kontemplation und Aktion waren für sie keine Gegensätze.
Ihr war es ebenso wie Franziskus gegeben, Gott in allem zu erkennen. Begegnete sie in der Eucharistie, die sie nur bebend empfing, Christus, der ganzen Sehnsucht ihres Herzens, so war aber auch alles andere durchsichtig auf Ihn hin. So konnte sie auch ihre Schwestern angesichts der Schöpfung zum Lobpreis aufrufen, wie es uns im Heiligsprechungsprozess überliefert ist: "Wenn die überaus heilige Mutter die Außendienstschwestern außerhalb des Klosters schickte, ermahnte sie dieselben, Gott zu loben, wenn sie schöne Bäume und ihre Blüten und Blätter sähen, und ähnlich, wenn sie die Menschen und andere Geschöpfe sähen, sollten sie immer Gott für alle und in allen Dingen loben." (Heiligsprechungsprozess 14. Zeugin 9)
Und von dieser selbst zum Gebet gewordenen Frau ist wohl das kostbarste Gebet das der sterbenden Klara: "Du, Herr, sei gepriesen, weil Du mich erschaffen hast." (Cel 46) So konnte sie nur beten, weil ihr Leben rundum die Erfüllung gefunden hat, die das tiefe Einssein mit Gott und sich selbst mit sich bringt.

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