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"Lob sei dir, Herr, für Schwester Klara"

Die kleine Pflanze Zum Fest der hl. Klara am 11. August

"Ein hell leuchtender Stern ist aufgegangen am heutigen Tag. Denn heute wurde die heilige Klara, die arme Magd des Herrn, verherrlicht im Reich des Himmels." So singt der Einleitungsvers des Gottesdienstes zu ihren Ehren. Wie das? Der Stern des Bundes ist Christus. Ist auch Klara eine Heilige im Zeichen des Stems? Die Seele des hl. Franziskus sei bei seinem Tode von Engeln wie ein hell leuchtender Stern über die Erde erhoben worden, sagt die Heiligenlegende. Wer stirbt, stirbt in und mit Christus, stirbt in sein Licht hinein. So sehen wir die Vollendeten, die Heiligen, so ist uns verheißen.
Menschen, die ihr Testament schreiben, regeln darin nicht nur die Frage, was mit ihrer beweglichen und unbeweglichen Habe geschehen soll, sondern sie beschenken ihre Angehörigen oft auch mit einem persönlichen Wort der Verbundenheit und der Liebe. Wer in der Öffentlichkeit der Politik oder auch der Kirche seinen Dienst beendet, hält oft Rückblick, schaut voraus und deutet die Zeit. Die franziskanische Familie bewahrt zwei Testamente, geschrieben von Franziskus und von Klara. Aus dem Testament des Heiligen wird öfter zitiert. Um so wichtiger ist, die acht Seiten des Testaments der heiligen Frau zu lesen und zu schauen, was sie den Ihren mitgibt, den Schwestem wie den Brüdern und jedem in deren Freundeskreis.
Klara hält Rückschau auf ihr Leben, auf die Anfänge mit Franziskus, und spricht von der Sendung Ihrer Gemeinschaft, Jesus Christus in Armut nachzufolgen. Bedeutsam ist ihr das "Privileg der Armut". Sichert man sich durch Privilegien nicht Besitztümer, materielle und geistige? Ist dieser Begriff nicht unangebracht? Nicht, wenn man es fasst wie Klara: als Privileg der Machtlosigkeit, des Dienens, des Magdseins - ohne sich deshalb wie eine häretische Sektiererin abzusondem, wie man damals argwöhnte.
Uberschaut man den Text des Testaments als ganzen, so fühlt man mit, wie lebendig, anschaulich, voll Herzenswärme Klara schreibt. Einlges sei näher beleuchtet.
Wir lesen: Franziskus stieg damals auf die Mauer der Kirche San Damiano und rief einigen Armen mit erhobener Stimme auf französisch zu: Kommt und helft mir beim Bau des Klosters San Damiano, denn dort werden bald Frauen leben, durch deren heiligmäßiges Ordensieben... unser himmlischer Vater in seiner ganzen heiligen Kirche verherrlicht wird.
Nach dem Tod des Franziskus hätten die Schwestern Schwäche und Furcht gezeigt: Nach dem Heimgang unseres heiligen Vaters Franziskus fürchteten wir uns, der unsere Säule - columna nostra -, nach Gott unser einziger Trost und unsere Festigkeit war.
Klara schreibt dankbar und liebevoll in der Erinnerung den Namen nieder, den Franziskus ihr liebevoll und scherzhaft und mit großem Emst gegeben hatte: die kleine Pflanze des heiligen Vaters - plantula sancti patris. Sie selbst nennt sich nun so, aber einige Sätze weiter meint sie alle ihre Schwestern, wenn sie nochmals von seiner kleinen Pflanzung - plantulam suam - spricht. Er die Säule - sie die kleine Pflanze, das hat nichts mit Über- und Unterordnung zu tun, sondern Kraft ist in beiden: Eine Säule, die steht und stützt; eine Pflanze, die lebt und wächst und Leben weitergibt, auch wenn die Schwestem, wie sie schreibt, körperlich nicht stark und kräftig sind. Es ist hauswirtschaftlich und geistlich zugleich gedacht, wenn Klara sich einen Garten zum Anbau von Gemüse wünscht.
Demütiges Selbstbewusstsein zeigt diese Frau, wenn sie schreibt: Der Herr selbst hat uns zum Beispiel und Spiegel hingestellt, dass sich in uns spiegeln könne, die selbst anderen Spiegel und Beispiel sind - speculum et exemplum. Hier mag man kurz an das Märchenmotiv denken: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? - aber der Sinn zielt nicht nur auf einen Menschen in seiner Schönheit, sondern darauf, wie sich Gottes vollkommene Schönheit in Klara spiegelt, ihre Schönheit in den Schwestern, deren Schönheit in allen, die hierin ein Exempel sehen.
Dies will ich euch in geschriebener Form hinterlassen, damit es um so besser eingehalten werde,... als Zeichen des Segens des Herrn und unseres seligen Vaters Franziskus und als Zeichen meines Segens, eurer Mutter und Magd. Dieser Frau haben sich die Lebensspuren des Franziskus - die die Spuren Christi selber sind - tief eingeprägt:
Sie sieht und hört ihn von der Mauer herab rufen,
sie sieht in ihm eine Säule der Bruder- und Schwesternschaft,
sie sieht sich selbst als seine kleine Pflanze,
als Magd nimmt sie den Auftrag an, Mutter der Ihren zu sein,
als Spiegel spiegelt sie Gott in die Welt hinein.
So übernimmt sie den vor allem bei Johannes niedergelegten Sendungsauftrag, den der Vater an den Sohn und dieser an die Welt gerichtet hat.

P. Werinhard Einhorn in: Bruder Jordans Weg (50) 2003, Heft 3