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"Lob sei dir, Herr, für Schwester Klara"
Klara von Assisi
Vor genau 750 Jahren, am 11. August 1253, stirbt im umbrischen Assisi eine Frau, die ein hohes Selbstbewusstsein hatte und zugleich nie in der ersten Reihe stand. Klara von Assisi muss es dulden, dass sie immer die zweitgenannte ist, wenn es um die weltberühmte Stadt im grünen Herz Italiens geht. Den Sohn der Stadt kennt man weit über die Grenzen des Christentums, Franz. Und die große Tochter?
Die Frau aus der mächtigen und reichen Adelsfamilie der Offreducci Favarone gerät tn den Strudel der Umwälzungen des 12. Jahrhunderts. 1194 geboren erlebt sie früh die Machtverschiebungen zwischen Adel und aufkommendem Bürgertum, das durch Handel und Wandel zu Geld und Einfluss kommt. Wie eben auch Familie Bernadone, der Franziskus entstammte, und die es mit Tuchhandel zu einem gewissen Wohlstand gebracht hafte. Zu den politischen und
ökonomischen kommen die spirituellen Auf- und Umbrüche. Klara erlebt die so genannten Armutsbewegungen ihrerZeit, das Hinstreben zum Wort der Heiligen Schrift als Maß des Lebens. Mit ihren Schwestern und Freundinnen gehört sie zu den religiös Suchenden, Und sie
ist begeistert vom Armutsideal des jungen Mannes aus der gleichen Stadt, Wer weiß, was alles in ihr vorgegangen tst, als sie 18-jährig die Familie verlässt uns sich in der Portiunkula-Kaplle von Franz das Ordensktejd geben lõsst. Was in ihr Entwickl'ung war, jst f³r die Umwelt ein nicht zu verstehender Bruch.
Im Sinne des franziskanischen Armutsideals entsteht nun in San Damiano der Klarissenorden. Klara wird das kleine Kloster ihr Leben lang nicht mehr verlassen, was sicherlich nicht auf ihre Krankheit zurückzuführen ist. Sie hat hier ihren Ort gefunden, ihre Identität. Ihre Liebe zum armen Christus und zu den armen Menschen istt das Bleibende in allen Umbrüchen der Zeit, auch in allen gut gemeinten Vorschlägen, mitr denen die offizielle Kirche und der männliche Franziskanerorden dem kleinen Frauenkloster “helfen” will.
Körperlich schwach kämpft eine starke Frau ihr Leben lang für das Armutsideal des Franz, das ihr eigenes geworden ist, kämpft um die Anerkennung der von ihr verfassten Ordensregel. Zwei Tage vor ihrem Tod erhält Klara die Bestätigung. Sie ist die erste Frau in der Kirche, die das erlebt.
Das Durchsetzungsvermögen Klaras isr nicht eine Frage der Macht, vielleicht des klugen Einflusses, vor allem aber Ausstrahlung, die aus der Klarheit ihrer Pers÷nlichlichkeit aufscheint, der _berzeugungskraft,die aus ihrer Identitõt keimt, der Glaubw³rdigkeit, die aus ihrer Fr÷mmigkeit kommt. Dass man dieVerschonung Assisis vor dem Pl³nderungen der Sarazenen ihrem Gebet zuschrieb, spricht Bõnde. Dass man gut 40 Jahre an einem Ort; im kleinen Bereich eines Kl÷sterchens leben kann, und doch dieWelt bewegt, dass man immer im Schatten eines anderen steht, und doch in jeder Generation Herzen anrührt und ermutigt, dass man in Krankheit stark sein kann, dass man in Umbrüchen Bleibendes und Haltendes entdeckt, dasss man Ideale der Jugend ein Leben lang bewahren kann - das und noch mehr sind die Wunder der hl. Klara.
P. Alexander Holzbach SAC, in KA + DAS ZEICHEN, Heft Juli/August 2003, S. 279
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